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"Meine Saison 2006"




 

„Liebe Freunde und Fans,

 

zu Beginn des neuen Jahres möchte ich noch einmal auf das vergangene Jahr zurückschauen und Euch meinen ganz persönlichen Rückblick auf das ereignisreiche Jahr 2006 präsentieren:

 

Hartes Training

Zum Jahresauftakt standen einige Trainingslager auf dem Programm. Nachdem ich im Allgäu und in Kienbaum die ersten Würfe des Jahres gemacht hatte, ging es mit einer größeren Trainingsgruppe nach Cuba. Dort konnte ich neben dem Training mit meinem Coach Helge Zöllkau auch einen Einblick in die Trainingsabläufe der kubanischen Weltklasse-Athletinnen wie z.B. Osleidys Menendez gewinnen. Neben dem Austausch über die verschiedenen Trainingsinhalte, gab es aber auch einen interessanten und offenen Austausch über die Kultur und die Bräuche des Landes. Die Athleten und die Menschen dort haben uns wirklich sehr freundlich und höflich empfangen.

 

„aclive“

Nach einem weiteren Trainingslager in Kienbaum im März gründete ich Mitte Mai in Leverkusen gemeinsam mit Werner Kalversberg, Heribert Faßbender (TV-Sportchef WDR), Manfred Herpolsheimer (Vorsitzender der Sparkasse Leverkusen) sowie dem Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink den Förderverein „aclive“. Mit diesem Förderverein möchte ich die Arbeit der Behindertensport-Abteilung des TSV Bayer Leverkusen noch mehr unterstützen. Als erste Prominente Mitglieder meldeten sich die beiden Fußball-Profis Carsten Ramelow und Jens Nowotny als Mitglieder an, was mich natürlich sehr freute.  

 







 

Verletzungspech

Der Beginn in die Wettkampfsaison verlief dann leider nicht sehr erfreulich für mich. Durch einen hartnäckigen Muskelfaserriß im Wurfarm musste ich meinen Start in die Saison leider mehrfach verschieben. Zu diesem Zeitpunkt war an gezieltes Wurftraining nicht zu denken – was mich mit Blick auf die anstehenden Wettkämpfe doch ziemlich störte. Geduldig eine Verletzung auskurieren war ja noch nie eine besondere Stärke von mirJ.

 







 

Startschuss

Erst Anfang Juli – ganze sechs Wochen später – fiel dann beim IAAF-Super-Grand-Prix-Meeting in Athen der Startschuss zu meiner Saison 2006. Mit 63,63m belegte ich den zweiten Platz hinter Christina Obergföll, die mit 66,91m eine sehr starke Leistung zeigte. Dennoch war ich mit meiner Leistung nach der langen Verletzungspause sehr zufrieden – schließlich landete ich noch vor der Weltrekordlerin Osleidys Menendez aus Cuba. Das ich nach dieser langen Pause Osleidys schlagen würde, war nicht zu erwarten, genau so wenig wie meine Weite!

 

Der 5. Streich

Knapp 1½ Wochen später ging es für mich dann zu den Deutschen Meisterschaften nach Ulm. Trotz des durch die Verletzung reduzierten Trainings hatte ich bereits vor dem ersten Wurf ein sehr gutes Gefühl. Im Wettkampf selber gab es dann ein sehr spannendes Duell mit Christina Obergföll. Mit meinem letzten Wurf erzielte ich eine Weite von 65,71m, womit ich mir meinen 5. Deutschen Meistertitel sichern konnte. Ich freute mich natürlich riesig über den Erfolg, da die Vorbereitung durch die Verletzung natürlich nicht sehr gut war. 

 







 

Endlich GOLD

Vier Wochen später konnte ich mir dann bei den Europameisterschaften in Göteborg meinen größten Traum erfüllen – der Gewinn einer Goldmedaille!!!

 

In der Qualifikation hatte die Tschechin Barbora Špotáková mit 66,12m einen neuen Landesrekord aufgestellt, womit sie als 1.Platzierte ins Finale ging. Ich dachte mir, jetzt geht das schon wieder los mit den Bestweiten. Ich blieb aber ruhig und meine beste Weite in der Quali lag bei 63,35m, womit ich den zweiten Platz vor dem Finale belegte. Mir war klar, dass ich noch ordentlich was drauf packen musste um die Tschechin zu schlagen und um eine Medaille zu gewinnen.

Am Tag des Finales fühlte ich mich bereits morgens sehr gut – und auch beim Einwerfen wusste ich, dass ich eine Chance haben würde zu gewinnen.  

Mein erster Versuch ging dann gleich auf eine Weite von 64,04m, womit ich die Tschechin doch etwas unter Druck setzen konnte. Doch gleich als nächste Werferin nach mir konterte sie mit 65,64m. In den folgenden Versuchen ließen die schwierigen Bedingungen keine besonders guten Würfe zu und brachten keine Veränderungen im Klassement. Vor dem vierten Durchgang versuchte ich meine Konzentration noch einmal zu sammeln und mich voll auf den Wurf zu fokussieren – und es klappte. Getragen von der tollen Stimmung im Stadion erzielte ich eine Weite von 65,82m, womit ich die Führung im Klassement übernahm. Den Rest des Wettkampfes verbrachte ich dann mit angespannten Warten. Der letzte Durchgang schien eine halbe Ewigkeit zu dauern. Bei den letzten Würfen der Konkurrentinnen schaute ich gar nicht mehr zu, sondern meist zur Tribüne wo meine Nationalmannschaftskollegin Franka Dietzsch mir immer wieder Signale gab, ob mein goldener Platz in Gefahr sei oder nicht. Nach dem letzten Wurf der Tschechin war klar – ich bin Europameisterin!!! Die Freude war überwältigend und als bei der Siegerehrung die Nationalhymne lief konnte ich ein paar Tränen nicht mehr verdrücken. Abends gab es einen schönen Empfang und wir feierten meinen goldenen Erfolg wirklich sehr ausgiebig.

 

Toller Empfang

Nach meiner Rückkehr nach Leverkusen wurde ich sowohl in meinem Verein als auch von Freunden und Nachbarn begeistert empfangen. Zudem lud mich der Bürgermeister von Leverkusen ein um mich ins goldene Buch der Stadt Leverkusen einzutragen.

 







 

Saisonabschluss

In der weiteren Saison konnte ich noch Siege in Monaco, vor den Toren Berlins beim DKB-Cup und beim Weltcup in Athen feiern. Der abschließende Sieg beim Weltcupfinal in Athen fürs Team Europa war wirklich ein perfekter Abschluss einer für mich ganz wundervollen Saison.

 

Nach Abschluss dieser erhielt ich in Berlin noch einen Preis: Gemeinsam mit dem Rennrodler Georg Hackl wurde ich mit dem BMI-Preis für Toleranz und Fair Play ausgezeichnet. Der Fair-Play-Preis wird seit 1998 immer vom Bundesinnenminister (derzeit Dr. Wolfgang Schäuble) und Rosi Mittermaier-Neureuther übergeben. Die Worte des Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble freuten mich sehr: „Toleranz und Fairness sind die wichtigsten Grundlagen des Sports. Steffi Nerius und Georg Hackl sind beide durch ihr Lebenswerk auf ihre eigene, besondere Art Vorbilder nicht nur für unsere Sportlerinnen und Sportler, sondern für die ganze Gesellschaft.“

 

Nun bin ich froh, dass ich erst einmal in Ruhe etwas Urlaub machen kann, auch um die vielen Impressionen, Eindrücke und Erfolge der Saison Revue passieren zu lassen. Der Gewinn der Goldmedaille war ein überwältigendes Erlebnis für mich. Ich möchte mich zu guter Letzt noch ganz herzlich für Eure und Ihre Unterstützung bedanken.

 

Ich wünsche Euch alles Gute, auf bald. Viele liebe Grüsse,

 

Eure Steffi!!

 






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